Gerade bei Oldtimern spielt Qualität eine wichtige Rolle. Was an einem Oldtimer gut und was schlecht ist, liegt sicher im Auge des Betrachters. Für diejenigen, für die Patina zum Charme gehört, haben einen anderen Schwerpunkt als die, die ein perfektes, fabrikneu-ähnliches Auto haben wollen. In diesem Artikel gehe ich von meinem persönlichen Geschmack und Empfinden aus.

Tipp #1: Optik, der Chrom, Lack und die Innenausstattung

Gehen wir kurz auf die drei teuersten Bereiche eines Oldtimer ein.

Das teuerste am originalgetreuen Oldtimer, und was als erstes ins Auge fällt, ist der Chrom. Wenn er schlecht ist, pickelig, rostig, matt, oder durchpoliert, ist es meistens sehr schwierig und vor allem teuer, ihn wieder so wiederherzustellen, dass er dem Original entspricht. Gute Autos haben den Chrom intakt: Er ist nicht perfekt, kann Patina haben, leichte matte Stellen. Aber man könnte ihn durch Aufpolieren zu neuem Glanz verhelfen, was sich positiv auf den Wert auswirkt.
Pickel, Rost, gerissene oder durchpolierte Chromschichten sind in den meisten Fällen ein Fall für den Verchromer, was sehr teuer werden kann. Also achte beim Kauf auf einen „guten“ Chrom, mit dem du zufrieden bist.

Genauso sieht es mit dem Lack aus. Die meisten Oldtimer wurden schon einmal oder auch mehrmals nachlackiert. Verwitterter Lack ist beispielsweise nicht schlimm, er lässt sich durch einen Besuch beim Profi-Aufbereiter wieder neu aufpolieren. Dagegen ist kaputter, rissiger, pickeliger oder sogar rostiger Lack immer ein Fall für den Lackierer und somit viel kostenintensiver. Hier musst du abwägen, da es schnell 5-stellig werden kann – je nach Größe und Qualität – oder ob Du dich nach einem anderen Auto umschaust.

Bei der Innenausstattung verhält es sich ähnlich wie bei Lack und Chrom: Es ist sehr kostspielig, sie wieder originalgetreu zu restaurieren. Es kann immer sein, dass Stoff, Vinyl und Leder kaum bis gar nicht mehr lieferbar sind. Dann haben wir es schon oft erlebt, dass der Sattler irgendwas „hingefummelt“ hat, meistens mit Leder und Ziernähten und mehrfarbigen Mustern. Das kann sehr schön aussehen und der Mann oder die Frau hat alles gegeben, doch ist es nicht originalgetreu und es ist teuer bis ganz unmöglich, den wirklichen originalen Zustand wieder herzustellen. Es sei denn, der Sattler bekommt den originalen Stoff noch, dann kann der Sattler dir die Innenausstattung originalgetreu wieder herstellen.
Wobei der Zustand auch hier wieder im Auge des Betrachters liegt: Wenn der Rest des Wagens gut ist und die Innenausstattung schön gemacht wurde, aber nicht original ist, kann es allemal lohnenswert sein, den Wagen zu kaufen, vor allem wenn er selten ist.

Tipp #2: Fahrgefühl

Rappelt, knistert und klappert es überall am Fahrzeug? Dann deutet das meistens auf eine höhere Laufleistung oder Restauration hin. Denn mit der Zeit werden Befestigungen der Verkleidungen müde oder haben sich verabschiedet. Oder bei der Restauration wurde die eine oder andere Schraube nicht ganz fest gezogen oder gar ganz vergessen. Karosserien arbeiten immer, gerade mit steigender Laufleistung, sehr stark.

Leider kann man solche Mängel häufig bei amerikanischen Oldtimern aus den 70ern und 80ern erkennen, die damals schon nicht gut genug verarbeitet waren. Wurden sie aber auch noch mangelhaft restauriert, rappelt und klappert es meistens überall.

Bleiben wir bei Amerikanern in Sachen Fahrgefühl: Es ist leider immer noch so, dass viele Leute denken, dass ein „Ami“ schaukeln muss. Dass man beim Lenken wild rudert und hin und her lenkt, um in der Spur zu bleiben, dass er 30 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht und und und…
Dem ist jedoch nicht so! Diese Denkweise stammt noch aus einer Zeit, in der „Schrott“ unters Volk gebracht wurde – meist von windigen Händlern, die die schnelle Mark verdienen wollten, die selber keine Ahnung hatten, was sie da einkauften und denen man Schrott untergejubelt hatte. Danach dachten die Menschen, „das muss so sein“, ein Ami muss so fahren.

Ich kann Dir sagen, wenn Du mal einen originalen „low mileage Cadillac“ oder Lincoln aus den 60ern oder 70ern gefahren bist, der wirklich nur wenige Meilen gelaufen ist und bei dem das Fahrwerk sich noch jungfräulich anfühlt, wirst du schnell eines Besseren belehrt.

Voraussetzung ist aber hierfür auch immer, dass alles an dem Wagen original ist oder originalgetreu repariert bzw. eingestellt wurde.

Um ein Auto nach seinem Fahrgefühl zu beurteilen, gehört ein wenig Fingerspitzen- und Bauchgefühl dazu. Wenn ein Wagen vernünftig geradeaus fährt, nicht klapprig auf der Straße wirkt und man das Gefühl hat, die Lenkung loslassen zu können und er würde immer noch stabil geradeaus fahren, hat man meistens gute Karten. Wenn der Rest dann auch noch passt, lohnt sich ein Kauf in der Regel allemal. Solltest du dir dennoch unsicher sein, nimm dir einen Fachmann mit oder fahre bei einem vorbei. Der Blick unters Auto oder der Haube bringt meisten Klarheit und spart viel Ärger und Geld.

Tipp #3: Unvollständige bis gar keine Historie

Hier kommt es weniger auf den Zustand des Autos an  -und ich will nicht damit sagen, dass alle Autos schlecht sind, die keine Dokumentation haben. Es geht um den subjektiven Wert eines Oldtimers mit Dokumentation.

Wenn keine oder nur wenige Dokumente, Unterlagen oder Rechnungen zum Fahrzeug vorhanden sind, kann das mehrere Gründe haben. Zum einen sind sie verloren gegangen, wurden nicht weitergegeben oder sind kaputt und/oder entsorgt worden.
Unvollständige Dokumentation deutet meistens darauf hin, dass dem Vorbesitzer der Wert des Wagens weniger bewusst oder wichtig war. Das wird der ein oder andere nicht schlimm finden, dann fehlt halt etwas. Nur wer sich einen Oldtimer anschafft, bei dem er spekuliert, dass er im Wert steigt, sollte wenigsten darauf achten, ein paar Dokumente aus der Vergangenheit zu seinem Auto zu haben. Denn hat ein optisch gutes Auto auch eine gute Dokumentation, ist das ein Grund mehr, den Wagen zu kaufen.

Wenn der Oldtimer, für den du dich interessierst, schon zuvor restauriert wurde,  und diese Restauration gut gemacht wurde, möchtest du ja wissen, was und wo es gemacht wurde. War es eine „Frame Off“ Restauration, wo Karosserie und Rahmen getrennt wurden? Wurde er nur optisch restauriert, oder nur komplett lackiert? Wurde es privat in der Garage gemacht oder von einer Werkstatt oder sogar von einer Fachfirma?

Das alles möchtest du gerne wissen, wenn du dich für ein Fahrzeug interessierst, denn die Arbeiten spiegeln sich im Wert wider.

Ein restaurierter Oldtimer ist leider nicht mehr so gut wie ein original Fahrzeug. Aber je besser es gemacht wurde, umso näher kommt es einem Original und wenn dann darüber keine Dokumentation vorhanden ist, könnte dir ein vermeintlich gutes und originales Auto, welches optisch schön restauriert wurde, als original verkauft werden.

Aus diesem Grund ist eine gründliche Dokumentation wichtig. Achte, wenn möglich, darauf, dass der Oldtimer, den du kaufen möchtest, auch immer eine Historie und Dokumentation mit sich bringt.

Dein Feedback

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig bei deiner Entscheidung helfen.

Wenn dir dieser Beitrag rund um die Qualität von Oldtimern gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn du ihn auch an diejenigen weiter empfiehlst, die sich auch für das Thema Oldtimer interessieren.

Beste Grüße
Sebastian Schwarz

P.S. Hast Du Fragen, Wünsche, Anregungen, Verbesserungsvorschläge, positive sowie negative Kritik, schreibe mir eine Nachricht.